Die wirtschaftliche Entwicklung ist derzeit – induziert von der Finanzkrise – auch in Europa rückläufig.
Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und das Institut für Höhere Studien (IHS) kommen zu dem Ergebnis, dass die österreichische Wirtschaft 2008
weniger gewachsen ist als bis zur Jahresmitte vorausgesagt. Beide Institute errechneten für das Jahr
2008 ein Plus von 1,8%.
Zu erwarten ist auch, dass sich alle relevanten westlichen Märkte im Jahr 2009 in einer wirtschaftlichen
Schrumpfungsphase befinden werden. Den aktuellen
Prognosen nach wird der Wirtschaftsrückgang in Österreich 2009 nach Ansicht des WIFO 0,5% bzw. in der Prognose des IHS 0,1% ausmachen. Die starke
Abhängigkeit von den Exportmärkten (besonders von Deutschland) und die schwer vorhersehbare Reaktion des privaten Konsums ergeben aber einen überdurchschnittlich
großen Spielraum in den Prognoserechnungen.
Die globale Krise hat auch die Länder Süd-/Osteuropas erfasst – es werden geringe Wachstumsraten
für 2009 prognostiziert (z. B. Slowakei +2,5%,
Ungarn –2,7%, Kroatien –1,2%, Serbien +1,5%).
Das geringe Wachstum wird 2009 voraussichtlich
mit einer niedrigeren Infllation einhergehen. Die Verbraucherpreise
werden 2009 nur mehr um 1,5% (IHS) bzw. 1,2% (WIFO) zulegen (2008: 3,2%).
Für die Entwicklung des Brief- und Paketmarktes sind neben der Wirtschaftsleistung auch die Bevölkerungsentwicklung
und die Zunahme der Anzahl der
Haushalte eines Landes von Bedeutung. Ein Anstieg
der Bevölkerung in Österreich um 0,4% im Jahr 2008 bedeutete eine Stütze des Transportvolumens – sowohl bei Briefen, Werbesendungen als auch Paketen.
Als grundsätzlicher Trend wird die elektronische Substitution der Briefvolumina bestehen bleiben.
Die gegenwärtige wirtschaftliche Entwicklung verursacht auch Veränderungen am Werbemarkt, der für das Transportvolumen der Post bedeutend ist. Es wird erwartet, dass – im Gegensatz zu anderen Werbekanälen – weiterhin eine positive Entwicklung
der direkten Kommunikation bestehen bleibt. Direct
Mailings zu Endkunden werden ihren Stellenwert in der Kommunikation ausbauen können. Die Entwicklung
der Paketmengen wird in Einklang mit der wirtschaftlichen Entwicklung an Dynamik verlieren; mit anhaltend intensivem Wettbewerb ist zu rechnen.
Anfang 2008 hat die EU mit Verabschiedung der
dritten Post-Richtlinie (2008/6/EG) die vollständige Öffnung der europäischen Postmärkte beschlossen. Die meisten EU-Staaten – darunter auch Österreich – müssen ihre Märkte mit 1. Jänner 2011 öffnen.
Damit stellt sich die Frage der Finanzierung der kostenintensiven
Versorgung der ländlichen Regionen. Die
EU-Richtlinie sieht hierfür mehrere Möglichkeiten vor. Die Österreichische Post AG befürwortet die Abgeltung
der Universaldienstkosten über eine Ausgleichszahlung,
wie in der Richtlinie angeführt. Darüber hinaus erfordert der freie Markt auch größere
Flexibilität der Österreichischen Post hinsichtlich der
Preisgestaltung für Geschäftskunden und der Flexibilität in der Betriebsform von Geschäftsstellen. Einheitliche
Qualitätsmess- und Kontroll systeme sowie faire arbeitsrechtliche Bedingungen komplettieren
die von der Österreichischen Post unterstützten
Rahmenbedingungen.
Die Österreichische Post, die sich zur flächendeckenden Versorgung in ganz Österreich und zur Aufrechterhaltung der hohen Servicequalität uneingeschränkt bekennt, hat ihre Vorstellungen bzw. Forderungen
für die Neuordnung der Postversorgung in Österreich auch den politisch Verantwortlichen präsentiert. Im Rahmen eines „Runden Tisches“ im Bundesministerium für Finanzen am 19. November 2008
wurde seitens der neuen österreichischen Bun desregierung eine entsprechende Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen bis Mitte 2009 in Aussicht
gestellt.