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Der Postmarkt in Europa

Der europäische Postmarkt umfasst traditionell drei Segmente:

■ Kommunikation (Beförderung von Briefen, Direct Mails und Printmedien)
■ Logistik (Paketbeförderung, Kurierdienste und Logistik-/Frachtdienstleistungen) und
■ Retail (Filialgeschäft mit Postservices, Finanzdienstleistungen und Einzelhandel).

Jeder dieser Teilmärkte unterliegt unterschiedlichen Rahmenbedingungen und spricht verschiedene Zielgruppen an. Je nach historischer Entwicklung und spezifischen Marktgegebenheiten sind die Zusammensetzung und Gewichtung dieser drei Bereiche in den einzelnen Postmärkten bzw. bei den einzelnen Postunternehmen zum Teil sehr unterschiedlich. Die Varianten reichen von primär auf die klassische Briefbeförderung fokussierten Postunternehmen bis hin zu reinen Paketdienstleistern. Angesichts des sich verändernden Marktumfelds versuchen Postgesellschaften neben dem klassischen Briefgeschäft auch Standbeine wie Paket, Logistik, Retailprodukte oder Finanzdienstleistungen aufzubauen.

 

Aktuelle Trends – Herausforderungen und Chancen

Das Marktumfeld in den drei historisch gewachsenen Kernmärkten der Post – Kommunikation, Logistik und Retail – ist starken Veränderungen
unterworfen. Die zunehmende Digitalisierung von Kommunikations- und Geschäftsprozessen, die Liberalisierung des Briefmarkts, die globale Wirtschaftskrise als zusätzlicher Impulsgeber für Veränderungsprozesse, aber auch grundlegende strukturelle Umwälzungen stellen die Postgesellschaften vor neue Herausforderungen. Sie bieten ihnen aber gleichzeitig die Chance, ihr Geschäft erfolgreich weiterzuentwickeln. Einige zentrale Trends stehen dabei im Vordergrund:

1. Substitution von Briefen durch E-Mails
Seit Jahren ist im Briefgeschäft international eine Stagnation, wenn nicht sogar ein Rückgang von klassischen Briefsendungen zu verzeichnen. Auslöser dafür ist die verstärkte Nutzung elektronischer Medien. Der durch die Wirtschaftskrise verschärfte Kostendruck hat den Wechsel zur elektronischen Kommunikation zuletzt noch beschleunigt.

Einer Marktuntersuchung im Auftrag der Europäischen Kommission („The Evolution of the European Postal Market since 1997“, ITA Consulting und WIKConsult) zufolge wird der Trend zu fallenden Postvolumina vor allem in den westeuropäischen Märkten auch weiterhin anhalten. Tendenziell gute Impulse gehen hingegen vom weiterhin intakten Markt des Direct Marketing aus oder auch von der stetig steigenden Anzahl der Haushalte, mit der das Briefvolumen traditionell korreliert. In Österreich z.B. nehmen die Ein- und Mehrpersonenhaushalte stetig zu, und auch für die kommenden Jahre wird ein weiterer Anstieg prognostiziert.

Im internationalen Vergleich befindet sich Österreich mit 207 Briefen bzw. adressierten Werbesendungen pro Einwohner und Jahr im westeuropäischen Mittelfeld. Während der österreichische Briefmarkt sich bis 2008 – teilweise entgegen dem internationalen Trend – durch stetiges Wachstum ausgezeichnet hat, gingen 2009 erstmalig Mengen und Umsätze im Briefmarkt zurück – eine Entwicklung, die sich vermutlich auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird.

2. Vollständige Liberalisierung des Briefmarkts in Europa
Für zusätzlichen Druck sorgt die von der EU für 2011 vorgegebene vollständige Öffnung der europäischen Briefmärkte, die im Kapitel Liberalisierung im Detail dargestellt wird.

Die Entwicklung in anderen Branchen (z.B. Telekom oder Versorger) hat gezeigt, dass die ehemaligen Monopolisten im Zuge der Liberalisierung Marktanteile verlieren. Im Postmarkt ist das Ausmaß der Marktanteilsverluste sehr stark vom jeweiligen Regulierungsumfeld und von der spezifischen Wettbewerbssituation abhängig. Durch die hohe Fixkostenbelastung auch für neue Anbieter – sowohl durch Investitionen als auch im operativen Betrieb – halten in bereits liberalisierten Märkten die jeweiligen nationalen Betreiber einen hohen Marktanteil (in Deutschland und
Schweden rund 90%). In Österreich wird mit dem Wegfallen des bisher bestehenden Monopols auf Briefe bis 50 Gramm ab 1. Jänner 2011 das gesamte Briefgeschäft für den Wettbewerb geöffnet.


3. Anhaltender Boom bei Online-Shopping
Deutliche positive Impulse für das Postgeschäft liefert der nach wie vor dynamisch wachsende Distanzhandel, inbesondere über O nline-Kanäle. Vor allem das B2CPaketgeschäft– also die Zustellung von Paketen von Unternehmen an private Empfänger – profitiert mit kontinuierlichen Zuwächsen vom Boom im Online- Shopping. Aktuelle Zahlen der Statistik Austria zeigen z.B., dass im Jahr 2009 bereits 41% der 16- bis 74-Jährigen Produkte oder Dienstleistungen im Netz einkaufen. Dies bedeutet eine Verdoppelung gegenüber 2004. Unter den 25- bis 34-Jährigen nutzen bereits 62% das Internet für Einkäufe.

Angesichts der weiter zunehmenden Nutzung des Internets für die Bestellung von Waren und Dienstleistungen ist mit weiteren Zuwachsraten in diesem Bereich zu rechnen. Dabei verändert das Internet die Kundenerwartungen und das Kundenverhalten radikal, Ansprüche wie Verfügbarkeit und verbindliche Liefergeschwindigkeit und -treue rücken noch stärker in den Fokus.

 

Online-Käufer in % der Bevölkerung in den letzten zwölf Monaten, 16- bis 74-Jährige

4. Internationalisierung der Handelsströme Während das Paketgeschäft im Bereich B2C vom O nline- Shopping profitiert, erhält es im Bereich B2B (Paketsendungen zwischen Unternehmen) positive Impulse aus der zunehmenden Internationalisierung des Warenverkehrs. Zwar haben sich hier im Krisenjahr 2009 sowohl Mengen als auch Preise rückläufig entwickelt, da sich die gedämpfte Stimmung besonders im Industriesegment ungünstig auf die Transportvolumina auswirkte. Experten rechnen allerdings damit, dass das Paketvolumen bereits 2010 wieder geringfügig wachsen wird. Generell wird dabei der grenzüberschreitende Transport eine spürbar höhere Dynamik aufweisen. Weiters ist zu erwarten, dass das Wachstum in Zentral-/Osteuropa stärker als in Westeuropa ausfällt.

 

 

5. Höhere Anforderungen der Kunden an Convenience Angesichts stetig steigender Ansprüche ihrer Kunden sehen sich die Postunternehmen mit zunehmenden Herausforderungen im Bereich Service und Convenience konfrontiert. So hat gerade der E-Commerce mit seinen hohen Anforderungen an Verfügbarkeit, Liefergenauigkeit und Service zu einer Veränderung der Kundenerwartungen geführt: Zuverlässigkeit, Effizienz und Kundenfreundlichkeit sind die zentralen Themen für Transport- und Lagerlogistik.

Gleichzeitig schaffen Trends wie O utsourcing neue Bedürfnisse und gleichzeitig Möglichkeiten, die Wertschöpfungskette von Post- und Logistikunternehmen in alle Richtungen zu verlängern.

Die Post- und Logistikanbieter entwickeln sich damit zunehmend zu Serviceunternehmen, die ihren Kunden mit zahlreichen Zusatzangeboten und Dienstleistungen Mehrwert bieten. Für die Postgesellschaften gewinnen damit neue, bedarfsorientierte Produkte und Services noch stärker an Bedeutung.

6. Ökologisierung im Gütertransport Die Forderung, dem Klimawandel so weit wie möglich entgegenzuwirken, führt zu Veränderungen in Prozessen und Logistik von Postunternehmen.

Diese Weiterentwicklung bei Produkten und Dienstleistungen von Post- und Logistikanbietern wird von den Stakeholdern erwartet.

Naturgemäß steht bei der Erfüllung dieses Anliegens eine Reduktion des eigenen Energieverbrauchs und der Emissionen im Vordergrund. Die Umsetzung umfasst Initiativen wie die Minimierung von Transporten und Zustellfahrten, die O ptimierung und gemeinsame Nutzung der Transport- und Logistiknetze, eine verbesserte Auslastung vorhandener Kapazitäten oder die umwelttechnische Optimierung von Fahrzeugflotten und Logistikzentren.

Einfluss- und Erfolgsfaktoren im Postgeschäft

Externe Einflussgrößen Von außen – und damit durch die einzelnen Unternehmen nur indirekt beeinflussbar – wird das Postgeschäft
neben bereits erwähnten Markttrends stark von dem generellen Bevölkerungswachstum, der Konjunktur, der Inflation und damit erhöhten Kosten bei Personal, Energie und Treibstoffen sowie der Entwicklung des Werbemarkts bestimmt. Ergänzend definiert das nationale und internationale regulatorische Umfeld wesentliche Spielregeln und den Freiheitsgrad für Postunternehmen.

Externe Einflüsse

Substitution durch elektronische Medien (E-Mail)
Entwicklung im O nline-Shopping
Bevölkerungswachstum, Anzahl der Haushalte
BIP-Entwicklung
Inflation & Personalkostenentwicklung
Entwicklung des Werbemarkts
Regulatorisches Umfeld

Interne Erfolgsfaktoren
Vom Unternehmen selbst beeinfluss- und optimierbar sind Erfolgsfaktoren wie das spezifische Eingehen auf Kundenbedürfnisse in der Gestaltung des Produktangebots, eine starke Marke mit einer soliden Vertrauensbasis bei den Kunden, Kundennähe durch ein flächendeckendes Netz an Filialen und Vertriebspartnern sowie hohe Kosteneffizienz, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit in Form starker und gut ausgelasteter Logistiknetze. Der Österreichischen Post ist es gelungen, sich in all diesen Bereichen sehr gut zu positionieren.

Interne Erfolgsfaktoren

Starke Marke mit hoher Bekanntheit und positiven Werten
Attraktive, nach Kundenbedürfnissen ausgerichtete Produkte
Kundennähe und flächendeckendes
Vertriebsnetz Zuverlässigkeit der Dienstleistung
Leistungsfähige und kosteneffiziente
Logistiknetze
Wettbewerbsfolgen direkter und indirekter Prozesse

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