Die Post unter Strom - E-Mobility auf dem Vormarsch

Bis Ende 2016 will die Post bereits über 1.300 Elektrofahrzeuge verfügen und alle Briefe an Wiener Haushalte „grün“ zustellen.

Die Post betreibt ihren E-Fuhrpark mit Strom aus erneuerbarer Energie.

Ressourcenschonung ist der Österreichischen Post auch im Bereich ihrer Fahrzeugflotte – einer der größten des Landes – ein wichtiges Anliegen. Mit Unterstützung des Programms klima:aktiv mobil ist die Österreichische Post ein Vorreiter der E-Mobilität in Österreich. In diesem Sinn stellt sie seit 2012 mit „E-Mobility Post“ auch eine der acht Modellregionen des Klima- und Energiefonds für Elektromobilität in Österreich. Die Modellregion umfasst mehrere Einsatzorte, konzentriert sich jedoch auf den Ballungsraum Wien. Im Rahmen von E-Mobility Post werden nun im Zeitraum 2012–2016 insgesamt 309 E-Autos sowie rund 300 E-Mopeds und 500 E-Fahrräder angeschafft, um deren praktischen Einsatz im Zustellverkehr zu testen und zu erforschen. Zusätzlich werden die Zusteller gezielt auf eine stromsparende Fahrweise hin geschult. Insgesamt soll die Fahrzeugflotte der Post im Jahr 2016 durch Unterstützung von klima:aktiv mobil sowie dem Klima- und Energiefonds rund 1.300 Elektrofahrzeuge aufweisen.
Konkret soll in den kommenden Jahren zunächst die gesamte Briefzustellung an Privatkunden im Ballungsraum Wien mit seinen 1.053 Zustell-Rayonen komplett auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden. Dafür sind rund 90 zweispurige und 150 einspurige E-Fahrzeuge vorgesehen. Sie alle verursachen weder Feinstaub noch Stickoxid- oder CO2-Emissionen und sind herkömmlichen Fahrzeugen auch bei der Lärmentwicklung deutlich überlegen. Wird der Energiebedarf der Fahrzeuge – so wie bei der Österreichischen Post – zusätzlich aus erneuerbaren Energien gedeckt, ist die Umweltbilanz noch wesentlich besser. Damit trägt sie zur Erhöhung der Lebensqualität in der Bundeshauptstadt bei. Die Österreichische Post arbeitet aber auch mit anderen Modellregionen eng zusammen. So besteht beispielsweise eine Kooperation mit dem Leuchtturmprojekt „eMorail“ der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), das mittels Car Sharing eine Verknüpfung zwischen Elektromobilität und öffentlichen Verkehrsmitteln schaffen will. Konkret unterstützt die Post an zwei Pilotstandorten in der Steiermark (Kaindorf) und in Niederösterreich (Edlitz-Grimmenstein) die Nutzung von „eMorail“ durch Pendler, die dadurch ihre Wegstrecken umweltfreundlich und klimaneutral zurücklegen können. Abgerundet wird das Engagement der Österreichischen Post durch begleitende Forschung und laufendes Monitoring.

Elektromobilität

Innovation mit langer Tradition

Pakete und Briefe, die zu 100% umweltfreundlich mit Elektrofahrzeugen zugestellt werden – das klingt eher nach Zukunftsmusik ... Ist es aber nicht: Die Österreichische Post setzte bereits vor 100 Jahren auf den lärmarmen und umweltfreundlichen Elektroantrieb. Anders als heute gab damals jedoch in erster Linie dessen Kosteneffizienz den Ausschlag, und nicht der Umweltgedanke.
Am 15. Juni 1913 nahm die damalige k.u.k. Post die ersten 29 Elektromobile der Marke Daimler-Tudor in Betrieb. Die Wagen wurden durch zwei 15 PS starke Radnabenmotoren von Lohner-Porsche angetrieben und schafften eine Höchstgeschwindigkeit von 18,5 km/h. Die Akkus waren für eine Distanz von maximal 45 km ausgelegt, bei längeren Strecken mussten sie neu aufgeladen oder getauscht werden. Die Elektrische Postauto-Garage befand sich im dritten Wiener Gemeindebezirk in der ehemaligen k.u.k. Reitschule nahe der Ungargasse. Auch während des 2. Weltkriegs übernahmen übrigens Elektro- Fahrzeuge die Transporte auf den stark befahrenen Postrouten zwischen Postämtern und Bahnhöfen. Nach Kriegsende erfolgte der langsame Wiederaufbau, auch die zum Erliegen gekommene Postversorgung musste wieder organisiert werden. Viele der Vorkriegsfahrzeuge wurden repariert, einige blieben sogar bis in die zweite Hälfte der 1970er Jahre in Betrieb. Die ganze Geschichte kann in der Broschüre „100 Jahre Elektromobilität bei der Österreichischen Post“ nachgelesen werden, welche gemeinsam mit der Österreichischen Energieagentur und dem Lebensministerium herausgegeben wurde..

„Post hat Vorbildfunktion“

Mobilitätsexperte Robert Thaler hat entdeckt, dass die Post bereits seit 100 Jahren auf Elektrofahrzeuge setzt.

Robert Thaler ist Leiter der Abteilung V/5 Verkehr, Mobilität, Siedlungswesen und Lärm im Lebensministerium.

Welche Rolle spielen Unternehmen bei der Forcierung von Elektro-Mobilität?
ROBERT THALER: Flottenbetreiber spielen eine zentrale Rolle, da sie im Idealfall aktive „Treiber“ der Elektro-Mobilität sind. Die Österreichische Post als größter Fuhrparkbetreiber des Landes hat daher für die E-Mobilität eine sehr wichtige Vorbildfunktion. Fachleute der Post waren auch dabei, als das Lebensministerium gemeinsam mit Experten des Verkehrs- und Wirtschaftsministeriums einen „Umsetzungsplan Elektromobilität in und aus Österreich“ ausgearbeitet hat. Einen Schwerpunkt dabei bilden Anreizsysteme, um die Anschaffung von E-Fahrzeugen in betrieblichen und kommunalen Flotten zu fördern.

Welche Bedeutung haben die „Modellregionen“ von klima:aktiv mobil und Energiefonds?
THALER: Mit klima:aktiv mobil bietet das Lebensministerium Unternehmen und Gemeinden ein attraktives Fördersystem für alle Elektrofahrzeuge. Die Österreichische Post ist ein wichtiger klima:aktiv mobil Partner und mit ihrem ambitionierten Projekt „E-Mobility Post“ eine dieser „Modellregionen“ oder besser gesagt „Modellflotten“. Die Solarkraftwerke auf den Dächern des Briefverteilzentrums Wien-Inzersdorf und im neuen Logistikzentrum in Allhaming sind echte Meilensteine für innovative, klimafreundliche E-Mobilität in Flotten.

Sie haben gemeinsam mit der Post und der Energieagentur die Publikation „100 Jahre Elektromobilität bei der Österreichischen Post“ veröffentlicht. Wieso eigentlich?
THALER: Es war eine kleine Sensation, als ich beim Durchblättern alter Photographien und Postrundschauen entdeckte, dass am 15. Juni 1913 von der k. u. k. Post erstmals 29 Elektro-Paketwagen in Dienst gestellt wurden. Das damit entdeckte 100-Jahr-Jubiläum war der Anlass für diese Publikation, die den Österreichischen Solarpreis gewann.