„Viel vorgenommen und viel erreicht“

Das Jahr 2013 brachte ein gutes Ergebnis, den Eintritt in den Wachstumsmarkt Türkei und erneut eine attraktive Dividende. Die 2010 definierten vier strategischen Eckpfeiler geben auch weiterhin die Richtung der Post vor.

Die vier Vorstandsmitglieder der Österreichischen Post im Briefzentrum Wien: Walter Hitziger, Georg Pölzl, Walter Oblin und Peter Umundum (v. l. n. r.).

DER VORSTAND

  • Georg Pölzl (geb. 1957), ist seit Oktober 2009 Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor (CEO) der Österreichischen Post.
  • Walter Oblin (geb. 1969), verantwortet seit Juli 2012 als Finanzvorstand (CFO) den Finanzbereich der Österreichischen Post.
  • Walter Hitziger (geb. 1960), ist seit Mai 2004 Vorstandsmitglied der Österreichischen Post und verantwortet seit September 2011 die neu zusammengeführte Division Brief, Werbepost & Filialen.
  • Peter Umundum (geb. 1964), zeichnet seit April 2011 als Vorstandsmitglied für die Division Paket & Logistik der Österreichischen Post verantwortlich.

 

Herr Dr. Pölzl, wie ist das Jahr 2013 für die Post gelaufen?

Herr Dr. Pölzl, wie ist das Jahr 2013 für die Post gelaufen?

PÖLZL: Es war ein gutes Jahr für die Österreichische Post. Wir hatten uns viel vorgenommen, und vieles davon haben wir auch erreicht. Uns ist jedenfalls deutlich mehr gelungen als nicht gelungen. Vor dem Hintergrund schwieriger Rahmenbedingungen haben wir den Umsatz leicht gesteigert und das Ergebnis ebenfalls verbessert. Alles in allem betrachtet können wir also auf ein gutes Jahr zurückblicken. Das ist sehr zufriedenstellend.

Inwiefern haben sich die Rahmenbedingungen für das Geschäft der Post...

Inwiefern haben sich die Rahmenbedingungen für das Geschäft der Post verändert?

PÖLZL: Die großen Trends in der Welt der Logistik- und Postdienstleistungen haben sich auch im abgelaufenen Jahr fortgesetzt. Für unser Geschäft sind dabei vor allem drei große Entwicklungen relevant, die wir genau im Auge behalten und auf die wir sowohl strategisch als auch operativ bestmöglich reagieren. Zunächst gibt es im klassischen Briefgeschäft einen anhaltenden Umsatzdruck. Dieses Geschäft ist aufgrund der so genannten E-Substitution schlicht und einfach im Schrumpfen begriffen, da physische Sendungen vermehrt durch elektronische Kommunikationsformen ersetzt werden. Diesen Trend können wir im Kern nicht beeinflussen, aber wir wollen gegensteuern, etwa indem wir überragende Qualität und zusätzliche Services anbieten. Der zweite Trend betrifft den Bereich Werbepost. Alle Werbesendungen sind vom Zyklus der Werbewirtschaft – und damit auch von der konjunkturellen Entwicklung – abhängig. Und zum dritten sehen wir steigende Paketmengen, und zwar sowohl bei Privat- als auch bei Businesskunden. Das ist ein Markt, der gut funktioniert, der aber auch sehr stark umkämpft ist.

Wo ist es 2013 besonders gut gelaufen, und wo waren Sie nicht ganz so zufrieden?

Wo ist es 2013 besonders gut gelaufen, und wo waren Sie nicht ganz so zufrieden?

PÖLZL: Der Heimmarkt hat sich gut entwickelt. Die Wahlen und die Volksbefragungen haben das Briefgeschäft in Österreich unterstützt und uns so ein wenig Rückenwind verschafft. Auch der Paketmarkt läuft hierzulande gut. Wir sind erfolgreich dabei, unseren Marktanteil in diesem Bereich weiter auszubauen. Auf unseren internationalen Märkten müssen wir 2013 etwas differenziert resümieren. In Deutschland sind wir klar unter den Erwartungen geblieben, das sage ich ganz offen. Hier müssen wir weiter auf unser Kerngeschäft fokussieren und an der Effizienzschraube drehen. In CEE dagegen haben vor allem unsere Pakettöchter ein gutes Ergebnis abgeliefert. Besonders froh stimmt mich die neue Beteiligung an dem türkischen Unternehmen Aras Kargo. Denn trotz aktueller politischer Turbulenzen ist die Türkei ein absoluter Wachstumsmarkt, der für den europäischen Wirtschaftsraum – bereits in der Vergangenheit und aus meiner Sicht auch in der Zukunft – eine wichtige Rolle spielt und enorme Potenziale bietet.

Herr Dipl.-Ing. Oblin, wie beurteilen Sie als Finanzvorstand die Performance der...

Herr Dipl.-Ing. Oblin, wie beurteilen Sie als Finanzvorstand die Performance der Österreichischen Post im abgelaufenen Geschäftsjahr?

OBLIN: Die Performance 2013 kann man unter dem Strich eindeutig als positiv beurteilen. Das operative Ergebnis liegt mit einem EBIT von 186 Mio EUR leicht über dem Vorjahreswert, und auch hinsichtlich der EBITDA-Marge haben wir unsere Ziele erreicht. Wenn man das Ergebnis im Detail betrachtet, zeigen sich vor allem zwei wichtige Dinge: Zum einen hat sich das Kerngeschäft sehr gut entwickelt, damit sind wir ausgesprochen zufrieden. Zum anderen inkludiert das Ergebnis auch bilanzielle Maßnahmen für Beteiligungen im internationalen Paket- und Logistikgeschäft, insbesondere ein Firmenwert- Impairment der trans-o-flex Gruppe. Diese Bilanzmaßnahmen beeinflussen natürlich die Ergebnissituation des Konzerns. Aufgrund der schwierigen Marktsituation waren sie allerdings notwendig und wir sind froh, dass wir sie durchführen und trotzdem ein gutes Ergebnis vorweisen konnten.

Wie lief das Geschäftsjahr aus Sicht der Post-Aktionäre? Und was können sich...

Wie lief das Geschäftsjahr aus Sicht der Post-Aktionäre? Und was können sich diese in Zukunft von der Österreichischen Post erwarten?

OBLIN: Wir schlagen der Hauptversammlung heuer eine Ausschüttung von 1,90 EUR pro Aktie vor und unterstreichen damit einmal mehr, dass wir unserer Positionierung als zuverlässiger und berechenbarer Partner auch gegenüber den Aktionären gerecht werden. Die Aktionäre können sich also auch heuer wieder über eine attraktive Dividendenrendite freuen. Die Nachhaltigkeit der Dividendenpolitik ist für alle langfristig orientierten Anleger besonders wichtig: Der operative Cashflow der Post ist stark genug, dass wir eine attraktive Dividende an die Eigentümer abliefern und gleichzeitig weiterhin in die Zukunft investieren können. Das heißt konkret: Das umfangreiche Investitionsprogramm mit Kapazitätserweiterungen, innovativen Lösungen, neuen Sortiertechniken und Informationstechnologien für mehr Effizienz wird natürlich fortgesetzt. Auf dieser Basis kann die Österreichische Post auch weiterhin ein starker und zuverlässiger Partner in jeder Hinsicht sein. Wir bieten also weiterhin vor allem eines: Beständigkeit, Kontinuität, Zuverlässigkeit.

Herr Dipl.-Ing. Hitziger, das Briefgeschäft der Post hat heuer wieder ein...

Herr Dipl.-Ing. Hitziger, das Briefgeschäft der Post hat heuer wieder ein Rekordergebnis verzeichnet. Worauf führen Sie das zurück?

HITZIGER: Das Briefgeschäft ist in der Tat etwas besser ausgefallen, als wir es erwartet hatten. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass wir es geschafft haben, den Basistrend der E-Substitution zu kompensieren. Das haben wir durch einige kleinere Akquisitionen geschafft, durch Sondereffekte aus diversen Wahlen und Volksbefragungen in Österreich sowie durch eine anhaltend hohe Kostendisziplin in der Logistik. Wir haben also „top line“ und „bottom line“ gut gearbeitet – die genannten Faktoren haben sowohl steigende Umsätze als auch ein steigendes EBIT ermöglicht. Am Basistrend der E-Subsitution wird sich jedoch nichts ändern. Daher müssen wir weiter – wie schon bisher – an der Attraktivität unserer Dienstleistungen und an der Effizienz arbeiten.

Was bringt das neue Jahr für das Briefgeschäft der Post?

Was bringt das neue Jahr für das Briefgeschäft der Post?

HITZIGER: Wir gehen davon aus, dass wir in Österreich weiterhin die Nummer eins bleiben. Trotzdem beginnt mit jedem neuen Jahr wieder ein neues Match. Im Mittelpunkt unserer Anstrengungen steht daher auch heuer die Erhöhung des Serviceerlebnisses und des Kundennutzens. Das heißt: Wir entwickeln neue Lösungen für unsere Kunden, sowohl in den Filialen als auch in der Zustellung. Wir wollen den Menschen das Leben so einfach wie möglich machen. Daher denken wir ständig über den Tellerrand hinaus und nicht nur über das klassische Briefgeschäft nach – auch deswegen, weil der Haupttrend der E-Substitution leider eine Konstante in unserem Geschäft geworden ist. Gleichzeitig setzen wir alles daran, neue Lösungen so effizient wie möglich zu verwirklichen. Wir müssen immer beide Aspekte im Auge behalten: hohe Qualität für die Kunden und gleichzeitig hohe Effizienz in der internen Umsetzung. Im Postwesen befinden wir uns in einem ständigen Kreislauf aus Effizienz- und Optimierungsmaßnahmen.

Welche neue Kunden-Lösungen stehen uns ins Haus?

Welche neue Kunden-Lösungen stehen uns ins Haus?

HITZIGER: Für die Privatkunden werden die augenscheinlichsten Änderungen in der nächsten Zeit in den Filialen stattfinden. Die Welt der Post-Filialen wird sich grundlegend wandeln: Es wird am Ende des Jahres mehr als 250 Selbstbedienungszonen mit Frankierautomaten, Abgabeboxen und Packstationen geben. Diese Einrichtungen werden rund um die Uhr verfügbar sein und damit den Komfort für die Kunden deutlich erhöhen. Für Großkunden bieten wir digitale Lösungen im Bereich Mail Solutions an, für Werbekunden neue Werbe-Tools. Wir haben viele neue Angebote im Gepäck und denken ständig über weitere Möglichkeiten nach, um neue oder veränderte Kundenbedürfnisse zu befriedigen.

Herr Dipl.-Ing. Umundum, wie hat sich der Paket-Bereich in Österreich generell...

Herr Dipl.-Ing. Umundum, wie hat sich der Paket-Bereich in Österreich generell entwickelt?

UMUNDUM: Im Geschäftsjahr 2013 haben wir neuerlich ein Rekordvolumen erzielt: 70 Millionen Pakete haben wir insgesamt transportiert. Einen neuen Tagesrekord haben wir dabei auch geschafft: An einem einzigen Tag – konkret dem 17. Dezember 2013 – haben wir 429.026 Pakete bearbeitet. Zusätzlich konnten wir die Qualität weiter verbessern.

Sind die Abholstationen ein spezielles Angebot für Paketkunden?

Sind die Abholstationen ein spezielles Angebot für Paketkunden?

UMUNDUM: Ja, der Fokus liegt hier bewusst auf Paketen, denn der Paketmarkt für Privatkunden wächst weiter: Wir rechnen mit mehr als fünf Prozent Wachstum im Jahr. Als Nummer eins in Österreich wollen wir die besten und bequemsten Lösungen für unsere Kunden schaffen und so optimales Service auch im Paketbereich erzielen. Wir haben mittlerweile mehr als 5.000 Empfangsboxen installiert. Die Abholstationen, die ebenfalls rund um die Uhr verfügbar sind, bilden eine attraktive Ergänzung zu diesem Angebot – Ende 2014 sollen rund 8.000 Empfangsboxen und 100 Abholstationen im Einsatz sein.

In Deutschland sind Sie mit der Entwicklung ja nicht so zufrieden. Wie geht es da...

In Deutschland sind Sie mit der Entwicklung ja nicht so zufrieden. Wie geht es da weiter?

UMUNDUM: Wir müssen uns in Deutschland besonders auf unsere Stärken besinnen. Das heißt, dass wir auf der Umsatzseite einen klaren Fokus auf Pharma und Healthcare legen. In der ThermoMed wurde bereits gezeigt, dass diese Strategie funktioniert. Das neue EU-weite Reglement für gekühlte Pharma-Transporte sehen wir dabei als große Chance. In der Branche gibt es verstärkte Nachfrage nach maßgeschneiderten Lösungen, die nahe am Kunden sind. Diese Lösungen werden wir weiter forciert anbieten, denn wir wollen bei diesem Trend auch in Zukunft Vorreiter sein. Auf der anderen Seite werden wir die Kostensituation weiter verbessern, indem wir vermehrt auf Insourcing von Leistungen setzen und mehr Dienstleistungen in der eigenen Wertschöpfungskette abbilden. Dadurch haben wir die Kostenkomplexität des Geschäfts besser im Griff und können Effizienzpotenziale besser heben.

Eines der wesentlichsten Ereignisse 2013 war der Schritt in die Türkei.

Eines der wesentlichsten Ereignisse 2013 war der Schritt in die Türkei.

UMUNDUM: Ja, wir sind sehr stolz, dass wir diesen wichtigen Schritt geschafft haben. Durch unser gutes, langjähriges Vertrauensverhältnis zu unseren türkischen Partnern ist uns der Einstieg in diesen spannenden und zukunftsträchtigen Markt gelungen. In einem ersten Schritt haben wir einen Anteil von 25% an der Nummer zwei im türkischen Paketmarkt erworben. Aras Kargo ist ein gut positioniertes Unternehmen, mit dem wir in einem partnerschaftlichen Ansatz für beide Seiten Mehrwert schaffen werden. Im Jahr 2013 hatten wir dort ein Absatzwachstum von rund 15%. Gemeinsam werden wir den Wachstumspfad des türkischen Marktes in Zukunft mitgestalten.

Herr Dr. Pölzl, das klingt nach einer spannenden Zukunft. Welche Aspekte sind...

Herr Dr. Pölzl, das klingt nach einer spannenden Zukunft. Welche Aspekte sind Ihnen hier für die Österreichische Post besonders wichtig?

PÖLZL: Mir ist vor allem eines wichtig: Erfolg stellt sich nie von allein ein. Der wichtigste Treiber des Erfolgs sind die Mitarbeiter. Nur mit motivierten und engagierten Mitarbeitern können wir Kundenorientierung wirklich leben. Ein Unternehmen ist auf Dauer nur erfolgreich, wenn sowohl die Kunden als auch die Mitarbeiter zufrieden sind. Daher bin ich mir sicher, dass wir mit der Mitarbeiterentwicklung einen guten und richtigen Weg gehen. Wir haben heuer auch erstmals eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt. Damit zeigen wir, dass uns offene und ehrliche Kommunikation wirklich wichtig ist. Die Befragung hat in vielen Bereichen hohe Zufriedenheit gezeigt. Sie hat aber auch auf Handlungsfelder hingewiesen, in denen neue Ansätze und Ideen notwendig sind. Damit sind für uns die nächsten Schritte klar. Wir arbeiten permanent daran, die Post als Organisation auf der Basis unserer vier strategischen Pfeiler weiterzuwentwickeln – und zwar mit dem Ziel, ein noch besserer Partner für unsere Kunden zu sein. Diesen Weg gehen wir seit Jahren sehr konsequent. Dabei legen wir Wert darauf, wirklich alle Mitarbeiter auf allen Ebenen mitzunehmen, was nicht immer ganz so einfach ist. Wir arbeiten also weiter operativ und strategisch daran, Vorreiter zu bleiben.

Was ist von der Österreichischen Post im Jahr 2014 zu erwarten?

Was ist von der Österreichischen Post im Jahr 2014 zu erwarten?

PÖLZL: Von der Österreichischen Post ist einmal mehr Beständigkeit zu erwarten. Wir wollen weiterhin ein zuverlässiger Partner in allen Belangen sein. Und wir sind zuversichtlich, dass es uns weiterhin gelingen wird, unsere Zukunfts-, Leistungs- und Dividendenfähigkeit zu sichern und zu erhalten. Dazu werden wir die vier Säulen unserer Strategie weiter konsequent umsetzen. Was den Ausblick für 2014 betrifft, wollen wir die Erwartungen des vergangenen Jahres fortschreiben: Wir gehen also hinsichtlich des Umsatzes von einer weiterhin stabilen Entwicklung aus – vor dem Hintergrund, dass wir weniger Briefe und mehr Pakete transportieren werden. Das mittelfristige Ziel einer EBITDA-Marge von 10–12% wird ebenfalls fortgeschrieben, dies erscheint uns weiterhin klar als realistische Bandbreite. Konkret haben wir uns vorgenommen, das EBIT 2013 in diesem Geschäftsjahr wieder etwas zu übertreffen und damit die Ergebnisqualität neuerlich zu steigern. In der Ertragsentwicklung wollen wir also den stetigen Trend fortsetzen und damit die Beständigkeit, Konsistenz und Berechenbarkeit der Österreichischen Post beibehalten.

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„Die Nachhaltigkeit der Dividendenpolitik ist für alle langfristig orientierten Anleger besonders wichtig.“
WALTER OBLIN

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„Wir denken ständig über den Tellerrand hinaus und nicht nur über das klassische Briefgeschäft nach.“
WALTER HITZIGER

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„Alles in allem betrachtet können wir also auf ein gutes Jahr zurückblicken. Das ist sehr zufriedenstellend.“
GEORG PÖLZL

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„Wir sind sehr stolz, dass wir den Einstieg in den zukunftsträchtigen türkischen Markt geschafft haben.“
PETER UMUNDUM