„... MÜSSEN UNS STETIG VERBESSERN, UM DIE NUMMER 1 ZU BLEIBEN ...“

von links: Peter Umundum, Walter Oblin, Georg Pölzl, Walter Hitziger

DER VORSTAND

  • Georg Pölzl (geb. 1957), ist seit Oktober 2009 Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor (CEO) der Österreichischen Post.
  • Walter Oblin (geb. 1969), verantwortet seit Juli 2012 als Finanzvorstand (CFO) den Finanzbereich der Österreichischen Post.
  • Walter Hitziger (geb. 1960), ist seit Mai 2004 Vorstandsmitglied der Österreichischen Post und verantwortet seit September 2011 die neu zusammengeführte Division Brief, Werbepost & Filialen.
  • Peter Umundum (geb. 1964), zeichnet seit April 2011 als Vorstandsmitglied für die Division Paket & Logistik der Österreichischen Post verantwortlich.

 

Herr Dr. Pölzl, dieser Geschäftsbericht steht unter dem Titel „Ideen Frei Haus“ – was wollen Sie damit signalisieren?

Herr Dr. Pölzl, dieser Geschäftsbericht steht unter dem Titel „Ideen Frei Haus“ – was wollen Sie damit signalisieren?

PÖLZL: Wir arbeiten ständig an neuen Ideen und Innovationen, um Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen und damit den Kundennutzen zu erhöhen. Gerade im Postgeschäft ist es enorm wichtig, die strukturellen Veränderungen im Markt zu erkennen und den veränderten Bedürfnissen der Privat- und Geschäftskunden gezielt Rechnung zu tragen. Daher müssen – und wollen – wir uns stetig aktiv verändern, um die Nummer 1 für unsere Kunden zu bleiben. Aber es sollen natürlich auch alle anderen Stakeholder unseres Unternehmens davon profitieren, dass wir visionär und kreativ sind. Darauf spielen wir mit dem Zusatz „Frei Haus“ an: Als österreichischer Leitbetrieb sieht es die Post geradezu als ihre Verpflichtung an, von sich aus immer neue Ansätze zum Nutzen aller ihrer Interessengruppen zu entwickeln.

Und woran zeigt sich, dass die Post so innovativ und anpassungsfähig ist?

Und woran zeigt sich, dass die Post so innovativ und anpassungsfähig ist?

PÖLZL: Das neue Gesicht der Post erkennt man am besten, wenn man die physische Schnittstelle zum Kunden heute und vor zehn Jahren vergleicht – ich meine damit v. a. unsere Filialen und unsere Zusteller. Hier bemühen wir uns, das Leben unserer Kunden leichter zu machen und das mit allen Möglichkeiten, die unsere moderne Welt heutzutage bietet. Denken Sie z. B. an unsere neuen SB-Zonen mit Sendungsabholung und -aufgabe rund um die Uhr. Unsere Zusteller wiederum sind heute mit Mobilgeräten ausgestattet, die sie bei der Hinterlegung von Sendungen und der Erfassung von Empfangsbestätigungen unterstützen. Viele Zusteller sind dabei heute übrigens bereits auf ganz leisen Sohlen unterwegs, weil wir immer mehr E-Fahrzeuge in unsere Flotte aufnehmen.

Und wie sehen das die Kunden? Wird das Bemühen um Kundennutzen und Convenience gewürdigt?

Und wie sehen das die Kunden? Wird das Bemühen um Kundennutzen und Convenience gewürdigt?

PÖLZL: Allerdings – das zeigen die Kundenumfragen, die wir einmal im Quartal durchführen. Sie belegen, dass wir in Sachen Kundenzufriedenheit schon heute auf sehr hohem Niveau sind und die Tendenz ist weiter steigend. Top-Werte weisen dabei v. a. die Zusteller und die Filialmitarbeiter auf. Interessant ist auch, dass die Post bei der jungen Generation überraschend hohe Beliebtheitswerte erreicht. All dies zeigt, dass unser Kurs stimmt. Das heißt aber nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen. Im Gegenteil, wir entwickeln laufend weitere neue Produkte und Serviceangebote, ganz abgesehen davon, dass wir auch sonst stetig an neuen Ideen und Konzepten arbeiten.

Wie sieht denn derzeit das Umfeld im Post- und Logistikmarkt aus? Hat sich beispielsweise an der schrittweisen Verdrängung des klassischen Briefes durch elektronische Kommunikationsformen etwas geändert?

Wie sieht denn derzeit das Umfeld im Post- und Logistikmarkt aus? Hat sich beispielsweise an der schrittweisen Verdrängung des klassischen Briefes durch elektronische Kommunikationsformen etwas geändert?

HITZIGER: Der Basistrend der so genannten „E-Substitution“ im Briefgeschäft ist unverändert. Gemäß internationalen Trends muss im adressierten Briefbereich mit kontinuierlichen Rückgängen in der Größenordnung von 3–5% pro Jahr gerechnet werden. Grundsätzlich besteht diese Tendenz auch in Österreich. Allerdings ist es uns durch innovative Ideen, wie etwa attraktive Angebote im Bereich der Briefwahl, durch Vertriebsinitiativen und durch unsere extrem hohe Servicequalität gelungen, die Volumenrückgänge moderat zu halten. Ein zweites wichtiges Standbein im Briefbereich in Österreich sind Werbesendungen. Österreich ist auf diesem Gebiet Weltmeister – und das beruht nicht zuletzt darauf, dass es der Post gelungen ist, dieses Werkzeug entsprechend zu positionieren. Unsere großen Werbekunden wissen daher genau um die Qualität des Werbemittels Direct Mail und nutzen es. Das ist auch ein guter Beleg dafür, dass wir den Kundennutzen stets im Auge haben und laufend an neuen Lösungen und Angeboten feilen. Mittlerweile arbeiten wir – weit über das klassische Flugblatt hinaus – gemeinsam mit unseren Kunden schon an der Konzeption von Direct-Marketing-Kampagnen mit.

Der Trend zur digitalen Kommunikation bringt aber auch Impulse für den Logistikmarkt, Stichwort E-Commerce ...

Der Trend zur digitalen Kommunikation bringt aber auch Impulse für den Logistikmarkt, Stichwort E-Commerce ...

UMUNDUM: Tatsächlich führen die veränderten Einkaufsgewohnheiten zu einem laufenden Anstieg der Paketmengen, die an Privathaushalte gehen. Dieser Trend kommt uns dank unserer starken Marktposition natürlich auch zugute. Darüber hinaus freuen wir uns sehr, im B2CGeschäft, aber auch im B2B-Geschäft an Marktanteilen zu gewinnen und dadurch verzeichnen wir jedes Jahr weiteres Wachstum im Paketgeschäft. Auf diesen Lorbeeren ruhen wir uns aber nicht aus, sondern bringen ständig Neues auf den Markt. Beispiele dafür sind die schon erwähnten vielfältigen Selbstbedienungs-Lösungen im Filialbereich, unsere Empfangsboxen, die neue Post App, mit der man Pakete komfortabel umleiten kann, und vieles mehr. Darüber hinaus setzen wir laufend Initiativen, um dem veränderten Kaufverhalten auch durch Angebote in neuen Nischen Rechnung zu tragen. Ein Beispiel dafür ist der Bereich Lebensmittelzustellung. Hier haben wir im abgelaufenen Jahr Pilotprojekte gestartet.

Wohin geht vor diesem Hintergrund der weitere Weg Ihres Unternehmens? Wie sieht die Post sagen wir im Jahr 2020 aus? Hat sich an Ihrer Strategie in letzter Zeit etwas geändert?

Wohin geht vor diesem Hintergrund der weitere Weg Ihres Unternehmens? Wie sieht die Post sagen wir im Jahr 2020 aus? Hat sich an Ihrer Strategie in letzter Zeit etwas geändert?

PÖLZL: Wir gehen unseren Weg konsequent weiter – entlang der definierten vier strategischen Hauptstoßrichtungen, die auch den Weg für die nächsten fünf Jahre vorgeben: Neben der Absicherung unserer starken Position im Heimmarkt und permanenter Effzienzsteigerung sind v. a. die Nutzung von Wachstumschancen sowie immer neue Impulse in Sachen Kundenorientierung und Innovation die wesentlichen Themen, die wir vorantreiben.

Zukunft und Innovation bedeutet auch Investitionen ...

Zukunft und Innovation bedeutet auch Investitionen ...

OBLIN: Deshalb setzen wir unseren laufenden Modernisierungsprozess auch unvermindert fort – die Post investiert jährlich ca. 80–90 Mio EUR in die Verbesserung und den Ausbau ihrer operativen Infrastruktur. Es ist unser Ziel, stets State-of-the-Art-Technologie einzusetzen und dadurch auch in Zukunft effziente und wirtschaftliche Prozesse zu garantieren. Im abgelaufenen Jahr etwa haben wir mit dem Logistikzentrum Allhaming in Oberösterreich das größte Investitionsprojekt der vergangenen Jahre realisiert – und das „in time, under budget“. Das ist eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass hier ein hochmodernes Logistikzentrum auf die grüne Wiese gestellt wurde, Photovoltaik-Anlage auf dem Dach inklusive.

HITZIGER: Unsere Investitionen und Innovationen betreffen aber nicht nur Sachanlagen, sondern auch die Art, wie wir arbeiten. Wir suchen ständig nach neuen Technologien, die uns helfen, noch besser und effzienter zu werden, wir sind aber auch bestrebt, moderne und zeitgemäße Arbeitsmodelle in unsere tagtäglichen Prozesse einzubauen. Dieser Anspruch reicht von der möglichst genauen, bedarfsgerechten Vorsortierung von Briefen bis hin zur menschlichen Komponente. Immerhin sind die Mitarbeiter an der Kundenschnittstelle unser wichtigstes Asset. Auch hier gibt es wichtige Veränderungen. So werden wir durch das Teammodell in der Zustellung traditionelle hierarchische Strukturen aufbrechen und den Mitarbeitern mehr Eigenverantwortung geben. Damit fördern wir nicht zuletzt die Motivation, die Eigeninitiative und das Miteinander im Unternehmen.

Neben dem Wachstum im österreichischen Paketgeschäft haben Sie auch Wachstumsambitionen auf dem internationalen Parkett. Wo stehen Sie hier?

Neben dem Wachstum im österreichischen Paketgeschäft haben Sie auch Wachstumsambitionen auf dem internationalen Parkett. Wo stehen Sie hier?

UMUNDUM: Damit sprechen Sie unsere Paketund Logistikaktivitäten in Deutschland und CEE sowie unsere Beteiligung in der Türkei an. Diese Bereiche muss man differenziert betrachten: Im heiß umkämpften deutschen Markt sind wir derzeit noch nicht dort, wo wir hinmöchten. Hier arbeiten wir gerade an einem Umbau des Geschäftsmodells und stehen in einem intensiven Veränderungsprozess. Wir stellen das gesamte Netz auf temperaturgeführte Logistik um und decken diese attraktive Nische derzeit als einziges Unternehmen in Deutschland ab. In Südost- und Osteuropa konzentrieren wir uns auf das – auch dort wachsende – Paketgeschäft und haben uns in diesem Segment bereits gut positioniert und sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Auch in der Türkei, wo wir seit 2013 eine Beteiligung von 25% am Paketdienstleister Aras Kargo halten, sehen wir großes Potenzial. Die Türkei ist sicher ein herausfordernder Markt, die Basistrends der Volumenentwicklung stimmen jedoch – 2014 ist die Paketmenge z. B. um 17% gewachsen. Da wir die Option haben, unseren Anteil 2016 aufzustocken, ist eine weiterhin prosperierende Entwicklung in diesem Land natürlich wichtig für uns.

Herr Dipl.-Ing. Oblin, wie beurteilen Sie das Jahr 2014 aus Sicht des Finanzvorstands?

Herr Dipl.-Ing. Oblin, wie beurteilen Sie das Jahr 2014 aus Sicht des Finanzvorstands?

OBLIN: Das operative Geschäft der Österreichischen Post hat sich im Jahresverlauf einmal mehr solide entwickelt. Wie erwartet hielt sich der Umsatz mit einem Plus von 0,2% etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Das EBIT hat sich von 186,0 Mio EUR auf 196,9 Mio EUR verbessert. In diesem Ergebnis sind jedoch nicht nur die laufenden operativen Aktivitäten enthalten, sondern auch einige Sondereffekte: Positiv ausgewirkt hat sich etwa der Verkauf unserer ehemaligen Unternehmenszentrale in der Wiener Innenstadt, negativ wirkten hingegen Wertberichtigungen und die bereits erwähnten Strukturmaßnahmen in Deutschland.

Und was bedeutet das für das Jahr 2015?

Und was bedeutet das für das Jahr 2015?

OBLIN: Es bedeutet zunächst für unsere Aktionäre, dass wir auf Basis der soliden Bilanz und unseres starken Cashflows unsere attraktive Dividendenpolitik fortsetzen und der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 1,95 EUR vorschlagen werden. Unser Profil als verlässlicher Börsewert und Dividendentitel bleibt damit unverändert. Darüber hinaus werden wir alles daran setzen, im neuen Geschäftsjahr wieder leichtes Wachstum in Umsatz und Ergebnis zu erzielen.

Herr Dr. Pölzl, abschließend noch die Frage: Was sind für Sie die entscheidenden Eigenschaften der Post, die für eine weiterhin positive Geschäftsentwicklung stehen?

Herr Dr. Pölzl, abschließend noch die Frage: Was sind für Sie die entscheidenden Eigenschaften der Post, die für eine weiterhin positive Geschäftsentwicklung stehen?

PÖLZL: Was uns bei der Post auszeichnet, ist die Fähigkeit, Ideen rasch umzusetzen. Wir haben eine klare Strategie und binden alle unsere Stakeholder – von den Kunden über die Mitarbeiter bis zu den Eigentümern – gezielt ein, wenn es darum geht, diese Strategie umzusetzen. Wir wollen ganz bewusst gemeinsam an einem Strang ziehen, um wirklich für alle Interessengruppen Mehrwert zu schaffen und damit den nachhaltigen Erfolg unseres Unternehmens zu sichern. Ganz besonders danken möchte ich an dieser Stelle unseren Mitarbeitern, die diesen Weg mit ihrem Einsatz und ihrem Engagement erst möglich machen. Ich freue mich darauf, die Österreichische Post mit ihnen gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

 

„Was uns bei der Post auszeichnet, ist die Fähigkeit, Ideen rasch umzusetzen.“
GEORG PÖLZL

 

„Wir ruhen uns nicht auf unseren Lorbeeren aus, sondern bringen ständig Neues auf den Markt.“
PETER UMUNDUM

 

„Die Post investiert laufend in die Verbesserung und den Ausbau ihrer Infrastruktur.“
WALTER OBLIN

 

„Wir sind bestrebt, moderne und zeitgemäße Arbeitsmodelle in unsere tagtäglichen Prozesse einzubauen.“
WALTER HITZIGER