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Excellence Progamm
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Mit dem Excellence Programm bietet die Post ein Entwicklungsprogramm, um motivierte Talente auf eine Führungs- bzw. Verantwortungsrolle im Unternehmen vorzubereiten. Neben Workshops, Coachings und Vernetzung interviewen die Teilnehmer*innen auch Führungskräfte, die den Talenten ihre Leadership-Lessons auf den Karriereweg mitgeben.
Hast du einen Tipp für angehende Nachwuchsführungskräfte? Beziehungsweise einen Tipp, den du gerne vor 15 Jahren bekommen hättest? Nur einen? (lacht) Ich hätte gerne früher gewusst, dass niemand als Nachwuchsführungskraft alles wissen bzw. alles alleine entscheiden muss. Man ist ja nicht Führungskraft, weil man alles besser kann - sondern idealerweise, weil man einen strategischen Blick hat, Einzelteile zu einem Ganzen orchestrieren kann, Talente erkennt und Menschen entwickeln möchte und sie so einzusetzen versteht, dass sie sich bestmöglich entfalten können.
Es ist auch hilfreich, sich proaktiv so früh wie möglich Mentor*innen bzw. Coaches zu suchen und nicht darauf zu warten, als Super-Talent entdeckt zu werden. Es ist wichtig, auf Leute zuzugehen und ihnen beispielsweise zu sagen, dass man ihren Job spannend findet und gerne mehr darüber erfahren möchte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand dann nicht bereit wäre, bei einem Kaffeeplausch etwas mehr über die eigene Aufgabe zu erzählen. Das kann einem sehr gut dabei helfen, den eigenen Blick zu erweitern, kann natürlich auch zur Visibilität beitragen und vielleicht ergibt sich daraus eine Mentor-Mentee Beziehung. Man kann das eigene Image ja dadurch auch lenken und sich überlegen, was Entscheidungsträger*innen über einen sagen, wenn man nicht im Raum ist.
Wichtig ist auch, aufzuzeigen, wenn man etwas Neues ausprobieren möchte - zu zeigen, dass man sich weiterentwickeln möchte. Darauf zu warten, dass man „entdeckt" wird, reicht nicht. Gute Leistungen konstant zu erbringen ist wichtig, aber ebenso wichtig ist es zu wissen, wohin man sich entwickeln möchte und dabei nach Feedback und Unterstützung zu fragen. All das trägt natürlich auch zur eigenen Visibilität in einem Unternehmen bei. Wenn ich sichtbar aufgrund meiner Leistung und meiner Bereitschaft mich weiterzuentwickeln bin, kann das nur hilfreich für meine Karriere sein. Wichtig ist sich zu überlegen, wofür man bekannt sein möchte in einem Team oder einem Unternehmen. Was ist meine persönliche Brand oder Marke? Was möchte ich, dass andere über mich sagen, wenn ich nicht im Raum bin?
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass speziell Frauen denken, noch einen extra Kurs oder eine Zusatzausbildung zu benötigen, bevor sie sich auch wirklich zu 100 Prozent für eine neue Aufgabe geeignet fühlen. Männer hingegen bewerben sich meist schon, wenn sie sich nur zu 60 Prozent geeignet fühlen. Wichtig ist es - gerade für Frauen - aufzuzeigen und zu sagen "ich bin ready und ich will auch"!
Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Sonja Aboulez aus? Ich bin keine Frühaufsteherin, im Vergleich zu vielen Kolleg*innen in der Post. Der Wecker läutet um 6:30 Uhr und dann checke ich mit einem ersten Kaffee meine E-Mails. Termine gibt es bei mir erst ab 9 Uhr und dann bis um 18 oder auch mal 19 Uhr.
Grundsätzlich sitze ich in sehr vielen Meetings. Mir ist aber wichtig an Meetings nicht nur deshalb teilzunehmen, weil nur BE1-Führungskräfte dabei sind, wenn jemand anderes im Thema versierter ist. Ich vertraue meinem Team, solche Termine zu übernehmen. Ich denke, ich kann gut delegieren und mag absolut kein Micromanagement. Ich verlasse mich gerne auf mein Team: das zu machen, was einzelne Personen gut können und besser machen als ich.
Außerdem ist es mir sehr wichtig, mich mit Kund*innen auszutauschen und sie regelmäßig zu treffen - also reise ich da auch gerne hin, nächste Woche zum Beispiel nach Polen zu einer Reihe an strategischen Meetings mit Kund*innen und potenziellen neuen Kund*innen.
Hast du Vorbilder im Bereich Führung/Management? Die Leader, die mich am meisten beeindruckt haben, waren Menschen, die ihrem Team einen Vertrauensvorschuss gaben und viel Freiraum ließen, um Neues zu schaffen - aber einem stets Rückendeckung gegeben haben und zu einem standen, wenn es eng wurde. Leader, die Erfolge des Teams nicht für sich beansprucht haben und andere glänzen ließen. Leader, die ein Klima geschaffen haben, in dem sich die Kreativität der einzelnen Mitarbeiter*innen entfalten konnte und Freude am Gestalten spürbar war. Es gab in meiner Karriere ein paar wenige Leader, die es geschafft haben wirklich gute, high-performing Teams zusammenzustellen - diverse Teams und nicht lauter Mini-Me's. Wichtig in einer Führungsposition ist es, andere vor den Vorhang zu holen, glänzen zu lassen und nicht immer nur selbst auf der Bühne zu stehen. Ich bin überzeugt davon, dass es die Aufgabe einer Führungskraft ist, Menschen und Talente zu entwickeln und sie dabei zu unterstützen, ihren bestmöglichen Input zum Teamerfolg beitzutragen. Es ist doch schön, wenn aus dem eigenen Bereich heraus möglichst viele Talente und neue Führungskräfte entstehen - für den Bereich und für das Unternehmen. Ich denke, es ist für den Erfolg eines Teams unabdingbar notwendig, Menschen ins Team zu holen, die besser in ihren Aufgaben sind als man selbst. Ich zum Beispiel bin wirklich kein Mathe- oder Excel-Genie, aber habe einen richtigen Excel-Wizard im Team und Kolleg*innen, die im Kopfrechnen viel schneller sind als ich. Dafür habe ich andere Stärken. Wichtig ist, dass jeder und jede in einem Team entsprechend der Stärken bestmöglich performen kann.